Dienstag, 11. Februar 2014

"The Returned" - Die Rückkehr der Toten

Die etwas andere Zombie-Serie aus Frankreich

Zombies müssen nicht verwest durch die Gegend rennen. In der französischen Serie "The Returned" kehren die Toten unversehrt zurück und nehmen ihr früheres Leben ein. Oder versuchen es. Das ist nicht nur verstörend für die Familienangehörigen und Dorfbewohner, sondern auch für den Zuschauer, der sich an  einer der genialsten Mystery-Serien der letzten Zeit erfreuen darf. Hier kommt das Grauen auf leisen Sohlen. Dass es die Serie nur mit englischen Untertiteln gibt, stört kein bisschen.  *****  

Nachtlektüre (8/2014) Simon Beckett: "Der Hof" (Verlag Wunderlich)

Atmosphärischer Thriller, der in Südfrankreich auf einem Bauernhof und in London spielt. Mit einem makaberen Ende.  Mein erster Roman von Simon Beckett. Bin beeindruckt. *****

Nachtlektüre (7/2014): John Niven: "Straight White Male" (Verlag Heyne)


"Music from Big Pink", "Kill your Friends", "Gott bewahre", "Das Gebot der Rache" - John Niven bringt's in jedem Genre gut. Sein neuer Roman "Straight White Male" handelt von einem sexbesessenen Romanautor namens Kennedy Marr, der nur noch Drehbücher für Hollywood schreibt und dem ob seines Luxuslebens (Frauen, Drogen, Alkohol, teure Restaurantbesuche) in L.A. das Geld ausgeht. Er ist ein egoistisches, nihilistisches Arschloch und weiß das auch. Da winkt ein literarischer Preis einer Universität in England, seinem Heimatland. Doch der Preis ist mit der Auflage verbunden, dort ein Jahr lang creative writing zu unterrichten. Erst zögert er, dann lockt die Kohle. Es wird eine Reise in die Vergangenheit, denn seine Ex-Frau und seine Tochter leben auch dort. Sowie der Bruder und die im Sterben liegenden Mutter. Und da ist noch die Schwester, die einst Selbstmord beging.
John Niven tänzelt erzählerisch zwischen Ernest Hemingway und Charles Bukowski. Er schreibt über die Befindlichkeiten von Männern, verpasste Chancen, Depressionen und das oft mit einer Direktheit und Derbheit, die brüllend komisch ist. Ein großartiges Buch. Wer wissen will, wie echte Männer ticken, egal ob sie reich oder arm sind, der lese dieses Buch. 

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Wie ein alter Römer: "The Wolf of Wall Street"

Ganz großes Kino: Martin Scorseses Satire über den Aktienbetrüger Jordan Belfort gerät mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle zu einem der unterhaltsamsten Filme der letzten Zeit. 

Edel-Prostituierte, Champagnerduschen, Berge von Kokain und  Dollarscheinen: In der brillanten Satire "The Wolf of Wall Street" lässt Martin Scorsese ("Taxi Driver") den Raubtierkapitalismus der späten 80er Jahre mit seiner römisch anmutenden Dekadenz wieder aufleben. John Belford, gespielt von einem bestens aufgelegten Leonardo DiCaprio,  ist ein Börsenmakler, der sich um die Moral nicht schert, und wertlose Anteilspapiere mit fiktiven Gewinnprognosen an gutgläubige Klienten verscherbelt. Je größer seine Firma wird, je mehr Geld er anhäuft, desto gieriger wird er. Sein hedonistisches Leben ist eine einzige, rauschende Party, auf der jede Ausschweifung die vorherige übertrifft. Von bizarr, wie in der Anfangssequenz, wo Liliputaner als Wurfgeschosse herhalten müssen, über albern, wie die Nuttenorgien oder der mit Dollarscheinen beklebte Körper einer Frau bis hin zu grotesk, wie die Quaalude-Überdosis-Sequenz, in der Belford, fast jeder Funktion seines Körpers beraubt,  nur noch zu seinem Ferrari robben kann und - zu Hause angekommen - seinen Freund, der das Zeug ebenso geschluckt hat, reanimieren muss.
Dass solch ein Lebensstil böse endet, ist der Dramatik geschuldet. Darüber hinaus gibt es diesen Belford wirklich. Der Film basiert auf seinem gleichnamigen Buch. Wer jetzt denkt, dass der Saulus zum Paulus wird, irrt. Das wäre auch zu viel des Guten. Mal das Ende abwarten, Folks.

Unverständlich, dass in vielen Kritiken zu lesen war, dass dieser Film ohne Substanz sei und bla bla bla. Dabei gerät Scorseses Satire mit einer Spielzeit von drei Stunden zu einem der unterhaltsamsten Filme der letzten Zeit. Gefühlt waren es eineinhalb Stunden. Wie kaum ein anderer versteht der Regisseur es, eine Fülle von Ereignissen und Schauplätzen in der Erzählstruktur homogen und fließend darzustellen.  Doch er hat noch viel mehr drauf:  Wer hier nur genau hinschaut, also die Oberfläche durchdringt, sieht, wie Belford ähnlich wie Hitler im Dritten Reich seine Wolfsmeute einstimmt, scharfmacht, um sie in einen fiskalen Krieg zu schicken. Mit wie vielen Facetten DiCaprio diesen windigen Leitwolf darstellt, charmant, grinsend und zum Schluss winselnd, manchmal die vierte Wand durchbrechend, das Wort also direkt an den Zuschauer richtend, das allein ist schon die Eintrittskarte wert. Der Oscar ist ihm gewiss.

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Text: René Erdbrügger



Donnerstag, 23. Januar 2014

Nachtlektüre (6/2014) Tony O' Neill: "Sick City" (Verlag Heyne)



Sick City ist L.A.: Zwei Drogenjunkies, der eine aus gutem Haus, wollen einen Porno verkaufen, in dem der ehemalige Hollywood-Star Sharon Tate in einer Orgie zu sehen ist. Für einen Krimi nicht spannend genug und nach 150 Seiten langatmig. Teilweise auch sehr geschmacklos. ** 

Mittwoch, 22. Januar 2014

Nachtlektüre (5/2014), Donald Ray Pollock: "Das Handwerk des Teufels" (Verlag Heyne)


Grimmiges Sittenporträt über eine amerikanische Kleinstadt in den 1950er Jahren. Ein Serienkiller-Pärchen, ein lüsterner Gottesmann, korrupte Bullen, ein Junge, der von seinem Vater gezwungen wird, zwischen Tieropfern zu beten, damit die Mutter ihren Krebs überlebt. Gemordet und geschändet wird im Namen Gottes. Es geht um die Logik des Bösen. Seit "Letzte Ausfahrt Brooklyn" von Hubert Selby habe ich kein so intensives Buch mehr gelesen. Ein moderner, wahrhaftiger Klassiker über ein Amerika, das sich nicht viel verändert hat, geschrieben von einem Autodidakten. *****

Dienstag, 21. Januar 2014

Kurz belichtet

"Captain Phillips" (Regie Paul Greengrass): Nach einer wahren Begebenheit: Somalische Piraten kapern ein Containerschiff. Captain Phillips (Tom Hanks) liefert sich ein Psychoduell mit den Entführern. Im Doku-Stil aufgenommen, routiniert inszeniert. Der Trailer zeigt schon alles, was man bekommt. Das ist allerdings nicht viel.  Leider packt mich die Geschichte nicht. Aber der Streifen geht ins Rennen um einen Oscar.
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"Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen" (Regie Thor Freudenthal): Uninspirierte Fortsetzung, in
der Percy, der Sohn des Meeresgottes Poseidon, neue Abenteuer erlebt. Im zweiten Teil geht es um die Suche nach dem goldenen Vlies. Leider hatte man nicht genug Geld zur Verfügung, um die ganzen Monster und Götter optisch überzeugend darzustellen. Die Effekte sehen oft aus wie bei einem Videospiel.Vielleicht sogar schlechter. Doch die Rechnung der Produzenten ging auf. Den  Kosten von 90 Millionen Dollar stehen etwa 180 Millionen Dollar Einnahmen gegenüber. So werden heute Filme gemacht. Auf dem Reißbrett. Aber will man so etwas sehen? *






"Malavita -The Family" (Regie Luc Besson) Überdrehte Culture-Clash-Komödie über eine US-Mafiafamilie im Zeugenschutzprogramm, die in Frankreich lebt. Mit Robert De Niro (Pate), Michelle Pfeiffer (Ehefrau) und Tommy Lee Jones (FBI-Betreuer) gut besetzt und  über weite Strecken unterhaltsam. Als Persiflage aber nur bedingt brauchbar, weil Bessons Inszenierung zu sehr auf Klamauk setzt.
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