Mit „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ versuchen Steven Spielberg und Drehbuchautor David Koepp, den UFO-Mythos als modernen Verschwörungsthriller aufzuziehen. Im Mittelpunkt steht Margaret Fairchild, eine Wettermoderatorin in Kansas City, die während einer Live-Sendung mit einem unerklärlichen Phänomen konfrontiert wird. Für sie ist der Vorfall mehr als nur eine bizarre Nachricht: Er könnte die große journalistische Chance sein, die sie bislang vergeblich gesucht hat.
Parallel dazu kämpft der ehemalige Cybersicherheitsexperte Dr. Daniel Kellner für die Veröffentlichung brisanter Informationen. Nach seiner Haftstrafe wegen eines Hackerangriffs arbeitet er für WARDEX, eine geheim operierende Organisation, die Hinweise auf UFOs und außerirdisches Leben sammelt. Doch deren Chef Noah Scanlon verfolgt einen gegensätzlichen Kurs: Das Wissen soll weiterhin unter Verschluss bleiben.
Damit sind die Zutaten eigentlich vielversprechend: eine Journalistin auf der Suche nach der Wahrheit, eine geheime Organisation, staatliche Vertuschung, ein Insider mit belastendem Wissen und natürlich die Frage, ob die Menschheit tatsächlich nicht allein im Universum ist.
Nur leider hat man das alles schon sehr oft gesehen: „Disclosure Day“ wirkt über weite Strecken wie eine Zusammenstellung aus Versatzstücken früherer Science-Fiction- und Mysteryfilme. Besonders auffällig sind die Parallelen zu „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ („Close Encounters of the Third Kind“), aber auch zu „Akte X“: Das unerklärliche Ereignis, die geheimen Akten, die Organisation im Hintergrund, die Vertuschung und die Suche nach einer Wahrheit, die offiziell nicht existieren darf.
Das Problem ist nicht, dass ein Film bekannte Motive verwendet. Science-Fiction lebt schließlich davon, vorhandene Ideen weiterzuentwickeln. Hier fehlt jedoch häufig genau dieser nächste Schritt. Statt dem UFO-Thema eine wirklich neue Perspektive zu geben, werden bekannte Versatzstücke neu arrangiert. Selbst manche Ideen aus dem eigenen filmischen Kosmos wirken eher wiederverwendet als weitergedacht.
Dabei hätte gerade die Ausgangssituation Potenzial. Eine Wettermoderatorin, die zufällig Zeugin eines möglicherweise historischen Ereignisses wird und sich vom Gesicht einer Nachrichtensendung zur ernsthaften Investigativjournalistin entwickeln möchte, könnte eine interessante Perspektive auf das Thema bieten. Auch der Konflikt zwischen Kellner und Scanlon – Wahrheit öffentlich machen oder Wissen aus vermeintlich guten Gründen geheim halten – bietet Stoff für einen spannenden moralischen Konflikt.
Doch statt diese Fragen konsequent auszureizen, setzt der Film stark auf die bekannten Zutaten des UFO-Genres. Das sorgt zwar für Atmosphäre und Wiedererkennung, aber eben auch für ein erhebliches Déjà-vu-Gefühl.
Am Ende bleibt deshalb vor allem die Frage: Was hat „Disclosure Day“ diesem Thema eigentlich noch hinzuzufügen? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Wer UFO-Verschwörungen, geheime Regierungsakten und die Suche nach außerirdischem Leben mag, bekommt solide Genre-Unterhaltung. Wer allerdings auf eine echte neue Erkenntnis oder einen überraschenden Gedanken zum Thema wartet, dürfte enttäuscht sein.
Während „Disclosure Day“ die Veröffentlichung geheim gehaltener UFO-Informationen zum zentralen Thema macht, hat die US-Regierung tatsächlich damit begonnen, weitere UFO-/UAP-Unterlagen öffentlich zugänglich zu machen. Das verleiht dem Film zumindest außerhalb der Leinwand eine ungewöhnliche Aktualität.
Ob das Zufall ist? Wahrscheinlich sollte man hier vorsichtig sein. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Veröffentlichungen und dem Film gibt es nicht. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass ein Film über den großen Moment der „Disclosure“ ausgerechnet in einer Zeit erscheint, in der die USA ihre eigenen UFO-Akten stärker in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rücken.
Und genau dadurch bekommt „Disclosure Day“ eine zusätzliche, fast schon ironische Ebene: Der Film erzählt von der Frage, was passiert, wenn die Wahrheit über UFOs endlich ans Licht kommt – während die reale Welt gleichzeitig immer mehr Dokumente, Videos und Berichte zu bislang ungeklärten UAP-Fällen veröffentlicht. Die Medien scheinen daran wenig Interesse zu haben.