Samstag, 5. September 2026

„Furious“ – Eine Serienkillerin auf Rachefeldzug

Serienmörderinnen sind im Thriller-Genre noch immer die Ausnahme. „Furious“ dreht deshalb bereits mit seiner Grundidee vertraute Perspektiven um: Hier wird nicht eine Frau Opfer eines männlichen Killers, sondern eine junge Frau macht gezielt Jagd auf Männer. Die achtteilige Thrillerserie erzählt eine wütende, unbequeme Geschichte über sexuelle Gewalt, Machtmissbrauch und die Frage, ob persönliche Rache jemals zu Gerechtigkeit werden kann.

Catherine (Lola Petticrew) geht bei ihren Morden methodisch vor. Sie sucht ihre Opfer in deren Wohnungen auf, setzt sie außer Gefecht und tötet sie erst nach längerer Zeit. Ihre Opfer wählt sie nicht zufällig aus: Sie arbeitet eine Liste von Männern ab, die mit traumatischen Erfahrungen aus ihrer Jugend verbunden sind. Ihre Vergangenheit wird dabei Stück für Stück enthüllt.

Dabei macht „Furious“ Catherine nicht zur eindimensionalen Rachefigur. Ihre Geschichte erklärt ihre Wut, entschuldigt aber nicht ihre Taten. Gerade dieses Spannungsfeld ist eine der größten Stärken der Serie: Man kann ihre Motive nachvollziehen und ihre Methoden trotzdem ablehnen. Dadurch zwingt „Furious“ sein Publikum, über die Grenzen der Selbstjustiz nachzudenken.

Ihr gegenüber steht FBI-Agentin Alice (Emmy Rossum), die selbst von Gewalterfahrungen geprägt ist. Ihre Vergangenheit als Polizistin und ihre brutale Beziehung zu einem ehemaligen Kollegen wirken auch in ihre Ermittlungen hinein. So verbindet die Serie Täterin und Ermittlerin über ihre Erfahrungen mit Gewalt – beide ziehen daraus jedoch völlig unterschiedliche Konsequenzen. Während Alice auf das Rechtssystem setzt, nimmt Catherine das Recht selbst in die Hand.


 

Allerdings ist „Furious“ teilweise ausgesprochen brutal. Einige Szenen sind schwer auszuhalten und werden mit großer körperlicher Härte inszeniert. Die drastische Darstellung unterstreicht zwar die Wut der Serie, dürfte aber nicht für jedes Publikum geeignet sein.

Lola Petticrew trägt die Serie mit einer vielschichtigen Darstellung der Catherine, deren Wut und Verletzlichkeit ständig miteinander kollidieren. Emmy Rossum bildet als traumatisierte und keineswegs unerschütterliche Ermittlerin einen überzeugenden Gegenpol.

So ist „Furious“ weniger ein gewöhnlicher Serienkiller-Thriller als ein moralisches Minenfeld. Die Serie will Catherines Morde nicht einfach abfeiern, sondern fragt, warum ihre Opfer auf ihrer Liste landen und was passiert, wenn Menschen das Vertrauen in Institutionen verlieren, die sie eigentlich schützen sollen.

Nicht jede Wendung überzeugt gleichermaßen, manches wird etwas zu deutlich ausformuliert. Trotzdem nutzt „Furious“ sein Thriller-Konzept konsequent, um über Gewalt, Macht und die Grenze zwischen Vergeltung und Gerechtigkeit nachzudenken.


 

 

 

 

 



„The Shards“ – Glanz und Abgründe im Los Angeles der 1980er

Los Angeles, 1981: Geld, schöne Menschen, Partys, Sex und scheinbar grenzenlose Freiheit. Unter der glänzenden Oberfläche dieser privilegierten Welt lauert jedoch eine tiefe Leere. „The Shards“ verbindet Coming-of-Age-Drama, Mystery und Serienkiller-Thriller zu einer düsteren Geschichte über Obsession, Begehren und die Angst vor dem Unbekannten.

Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Bret, gespielt von Igby Rigney. Als der geheimnisvolle Robert Mallory, verkörpert von Homer Gere, an seine Schule kommt, beginnt Bret, an dessen Identität und Motiven zu zweifeln. Gleichzeitig versetzt eine Serie brutaler Morde Los Angeles in Angst. Der unbekannte Täter erhält den Namen „The Trawler“.

Bret erzählt die Geschichte aus seiner eigenen Perspektive und wirkt dabei auffallend kontrolliert. Er beobachtet seine Umgebung genau, verschweigt Dinge und belügt sogar seine Freunde. Schon bald entsteht der Eindruck, dass er nicht nur gegenüber den anderen Figuren eine Rolle spielt, sondern auch gegenüber dem Publikum.

Igby Rigney macht diese Widersprüchlichkeit überzeugend sichtbar. Bret möchte selbstbewusst und welterfahren wirken, doch hinter dieser Fassade steckt ein unsicherer Jugendlicher, der versucht, seine Umwelt zu verstehen und zugleich seine eigene Identität zu finden. Je stärker ihn die Mordserie, seine schriftstellerischen Ambitionen und seine Fixierung auf Robert beschäftigen, desto deutlicher bekommt seine sorgfältig aufgebaute Selbstsicherheit Risse. Rigney spielt diese Entwicklung zurückhaltend und gerade deshalb wirkungsvoll.


 

Eine der interessantesten Ebenen der Serie ist dabei der Nihilismus, der unter der luxuriösen Oberfläche dieser Welt liegt. Die Jugendlichen haben scheinbar alles: Geld, Freiheit, Schönheit und gesellschaftliche Privilegien. Trotzdem wirkt vieles leer. Beziehungen werden zu Machtspielen, Freundschaften zu Inszenierungen und Identitäten zu sorgfältig gepflegten Fassaden. Die permanente Selbstinszenierung scheint vor allem dazu zu dienen, eine innere Orientierungslosigkeit zu verbergen.

Robert Mallory verstärkt dieses Gefühl. Seine Ankunft bringt nicht einfach nur eine mögliche Bedrohung in die Geschichte. Vielmehr scheint seine Präsenz die Dunkelheit sichtbar zu machen, die bereits zuvor vorhanden war. Die Angst vor dem Serienkiller trifft auf eine Gruppe junger Menschen, die selbst kaum weiß, wer sie sein möchte.

Besonders interessant ist Bret, weil er ständig zwischen Beobachter und Beteiligtem schwankt. Er möchte Schriftsteller werden und die Welt analysieren, ist aber gleichzeitig selbst Teil dieser privilegierten und teilweise selbstbezogenen Umgebung. Seine Suche nach der Wahrheit über Robert wird deshalb zunehmend auch zu einer Suche nach sich selbst. Die Serie verweigert ihm dabei einfache Antworten – und genau das macht seine Perspektive so ambivalent.

Zum Ensemble gehören unter anderem Kaia Gerber, Hayes Warner, Daniela Melchior und Evan Rachel Wood, die sich überzeugend in die stilisierte Welt der Serie einfügen.

Auch visuell überzeugt „The Shards“. Das Los Angeles der frühen 80er Jahre wird mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt. Kleidung, Musik, Autos, Partys und luxuriöse Häuser erzeugen eine glamouröse Welt, die mit zunehmender Dauer immer bedrohlicher wirkt. Gerade dieser Kontrast zwischen Schönheit und Gewalt ist eine der großen Stärken der Serie.

Denn „The Shards“ ist teilweise ausgesprochen brutal. Einige Gewaltszenen sind drastisch und dürften nicht für jeden leicht auszuhalten sein. Die brutalen Morde wirken gerade deshalb so verstörend, weil sie in eine scheinbar makellose Welt eingebettet sind.

Ganz frei von Schwächen ist die Serie allerdings nicht. Manche Entwicklungen wirken überzogen, einzelne Figuren bleiben vergleichsweise oberflächlich und auch das Erzähltempo schwankt. Trotzdem entwickelt „The Shards“ eine bemerkenswerte Sogwirkung. Die Serie weiß sehr genau, welche Mischung sie ihrem Publikum bieten will: Glamour, Sex, Mystery, Gewalt und moralische Abgründe.

Am Ende bleibt der Nihilismus vielleicht als stärkster Unterton zurück. Die Figuren leben in einer Welt, in der scheinbar alles möglich ist – und gerade deshalb scheint nichts wirklich Bedeutung zu besitzen. Ihre Selbstinszenierung wird zum Versuch, diese Leere zu überdecken. Der Serienkiller ist damit nicht nur eine äußere Bedrohung, sondern wirkt beinahe wie ein Symbol für die Dunkelheit, die längst in dieser Gemeinschaft vorhanden ist.

„The Shards“ erzählt somit nicht einfach eine Serienkiller-Geschichte. Die Serie nutzt das Mystery- und Thriller-Element, um eine Welt zu untersuchen, in der Privilegien und grenzenlose Möglichkeiten nicht automatisch zu Glück oder Orientierung führen. Hinter dem Glamour lauert die Leere – und Bret muss erkennen, dass er selbst längst ein Teil davon ist.

  

 

 

 

 


.

Samstag, 15. August 2026

The Last House – Eingesperrt im eigenen Zuhause

Mit The Last House liefert Netflix einen Horrorfilm, der mich deutlich besser unterhalten hat, als es manche Kritiken vermuten lassen. Die Ausgangsidee ist dabei tatsächlich eine der großen Stärken des Films: Was wäre, wenn man plötzlich sein eigenes Zuhause nicht mehr verlassen könnte? Türen und Fenster lassen sich nicht mehr öffnen, selbst eingeschlagene Scheiben setzen sich wie von selbst wieder zusammen. Draußen scheint die Welt verlassen – und gleichzeitig lauert offenbar etwas Unheimliches vor dem Haus.

Allein diese Prämisse hat für mich gereicht, um sofort Interesse zu wecken. Besonders spannend fand ich dabei die Mischung aus klassischem Kammerspiel, Survival-Horror und der unterschwelligen Erinnerung an die Corona-Lockdowns. Eine Familie wird auf engstem Raum zusammengepfercht und muss nicht nur mit einer unbekannten Bedrohung außerhalb des Hauses, sondern auch mit der eigenen Angst, Hilflosigkeit und den schwindenden Vorräten umgehen.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Gerade die Figuren hätten meiner Meinung nach etwas mehr Tiefe vertragen können. Die familiäre Beziehung zwischen Riley und Jason wirkt stellenweise weniger intensiv, als sie angesichts der Situation sein müsste. Auch die psychologische Entwicklung hätte für meinen Geschmack noch stärker herausgearbeitet werden können. Wer hier einen besonders tiefgründigen Horrorfilm erwartet, könnte deshalb enttäuscht sein.


 

Mich hat das allerdings weniger gestört, weil The Last House für mich vor allem durch seine Atmosphäre und die spannende Grundidee funktioniert. Die Frage, was sich außerhalb des Hauses befindet und warum die Familie überhaupt gefangen ist, erzeugt über weite Strecken eine angenehme Spannung. Dazu kommen einige interessante Details rund ums Überleben: Lebensmittel müssen rationiert werden, alltägliche Dinge werden plötzlich zu Problemen und selbst der Umgang mit dem eigenen Haustier bekommt eine unerwartet ernste Bedeutung.

Auch die beiden Hauptdarsteller tragen den Film. Wagner Moura verleiht Jason eine glaubwürdige Verzweiflung und vermittelt gut das Gefühl eines Vaters, der verzweifelt versucht, seine Familie zu beschützen. Greta Lee bleibt für mich etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück, funktioniert in ihrer Rolle aber dennoch gut.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass der Film nicht versucht, ständig mit großen Schockmomenten um sich zu werfen. Stattdessen lebt er von der ungewöhnlichen Situation und der Frage, wie lange eine Familie in einer solchen Ausnahmesituation durchhalten kann. Sicher hätte man aus dem Konzept noch deutlich mehr herausholen können. Gerade die psychologische Seite hätte viel intensiver sein dürfen.

Trotzdem hatte ich mit The Last House meinen Spaß. Der Film ist vielleicht nicht der große, tiefgründige Horror-Hit, der aus seiner interessanten Prämisse das Maximum herausholt. Dafür bietet er eine spannende Ausgangssituation, eine beklemmende Atmosphäre und genügend Mystery, um mich bis zum Ende bei der Stange zu halten.

Mein Fazit: The Last House ist für mich ein solider und unterhaltsamer Horrorfilm mit einer richtig guten Grundidee. Nicht alles wird so konsequent ausgearbeitet, wie es möglich gewesen wäre, aber wer klaustrophobischen Horror und ungewöhnliche Survival-Szenarien mag, sollte dem Film eine Chance geben.

"Der Astronaut – Project Hail Mary": Ryan Gosling auf Rettungsmission im All

 

Mit Der Astronaut – Project Hail Mary bringt Regisseur Christopher Miller den Bestseller von Andy Weir auf die Leinwand. Im Mittelpunkt steht der Wissenschaftler und Astronaut Ryland Grace (Ryan Gosling), der allein ins All aufbricht, um die Ursache einer Bedrohung für die Sonne zu erforschen und damit das Überleben der Menschheit zu sichern. Während seiner Mission trifft er überraschend auf ein außerirdisches Wesen, das ein ähnliches Problem im eigenen Sternensystem lösen möchte. Grace nennt seinen ungewöhnlichen Begleiter Rocky. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Herkunft entwickelt sich zwischen beiden eine enge Zusammenarbeit. 

Der Astronaut – Project Hail Mary hat mich dennoch mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Der Film beginnt vielversprechend und weckt schnell Interesse, verliert im weiteren Verlauf jedoch deutlich an Tempo.


 

Vor allem der Mittelteil zieht sich unnötig in die Länge. Einige Szenen wirken gestreckt und bremsen den Erzählfluss, wodurch die Spannung immer wieder nachlässt. Gerade bei einem Science-Fiction-Abenteuer hätte ich mir eine straffere Inszenierung gewünscht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die für mich nur wenig überzeugende Weltraumatmosphäre. Obwohl die Handlung größtenteils im All spielt, kommt das Gefühl von Einsamkeit, Größe und Faszination des Weltraums nur selten auf. Dadurch bleibt der Film überraschend bodenständig und schöpft sein visuelles Potenzial nicht vollständig aus.

Besonders gelungen sind dagegen die Szenen zwischen Ryland Grace und Rocky. Ihre Freundschaft entwickelt sich glaubwürdig, ist oft humorvoll und sorgt gleichzeitig für die emotionalsten Momente des Films. Die Chemie zwischen den beiden Figuren trägt den Film über weite Strecken und macht ihn trotz seiner Längen sehenswert.

Auch die Besetzung hat mich nicht vollständig überzeugt. Insbesondere Sandra Hüller empfand ich in ihrer Rolle als Fehlbesetzung. Ihre Darstellung wirkte auf mich nicht passend und konnte mich emotional nicht erreichen.


Samstag, 18. Juli 2026

„Cape Fear“: Javier Bardem auf Rachefeldzug

Es gibt Klassiker, die man besser unangetastet lässt. „Cape Fear“ gehört dazu. Nach der Verfilmung von 1962 und Martin Scorseses furiosem Remake von 1991 versucht sich Apple TV+ nun an einer zehnteiligen Neuinterpretation. Trotz großer Namen vor und hinter der Kamera bleibt die Serie jedoch weit hinter ihren Vorbildern zurück.

Dabei klingt die Besetzung vielversprechend: Javier Bardem übernimmt die Rolle des psychopathischen Max Cady, Amy Adams spielt die Anwältin Anna Bowden, Patrick Wilson ihren Ehemann Tom. Produziert wird die Serie ausgerechnet von Martin Scorsese und Steven Spielberg – zwei Filmemachern, die den Stoff bestens kennen.

Doch schon nach wenigen Folgen zeigt sich das Grundproblem: Die Serie verwechselt psychologische Tiefe mit permanenter Überzeichnung. Wo Robert Mitchum und später Robert De Niro ihre Bedrohlichkeit durch Präsenz und Zurückhaltung entwickelten, wirkt Javier Bardems Max Cady über weite Strecken wie eine Karikatur seiner Vorgänger. Er darf laut sein, exzentrisch auftreten und ständig dominieren – wirklich unheimlich wird er dabei jedoch nie.


 

Auch Amy Adams und Patrick Wilson können ihre Figuren kaum retten. Beide gehören zu den besten Schauspielern ihrer Generation, doch das Drehbuch lässt ihnen wenig Raum. Anna und Tom Bowden wirken erstaunlich eindimensional, ihre Ehe bleibt emotional distanziert. Überhaupt fällt es schwer, mit irgendeiner Figur mitzufühlen. Fast jeder Charakter handelt egoistisch, unsympathisch oder schlicht irrational. Dadurch verliert die Geschichte ihren emotionalen Kern.

Hinzu kommt der Drang, den Stoff um jeden Preis zu modernisieren. Neue Handlungsstränge, gesellschaftliche Kommentare und überraschende Wendungen sollen den Klassiker zeitgemäß erscheinen lassen. Doch viele dieser Ideen wirken aufgesetzt und lenken vom eigentlichen Katz-und-Maus-Spiel ab. Die Serie verliert sich in Nebenhandlungen, statt die beklemmende Spannung aufzubauen, die beide Kinofilme ausgezeichnet hat.

Handwerklich gibt es wenig zu kritisieren. Die Kameraarbeit ist hochwertig, die Ausstattung edel und die Bildsprache atmosphärisch. Apple liefert einmal mehr eine Produktion auf höchstem technischen Niveau. Doch schöne Bilder ersetzen keine packende Geschichte. 

Samstag, 11. Juli 2026

"The Bear" – Staffel 5: Ein würdiger Abschluss einer außergewöhnlichen Serie

Es ist selten, dass eine Serie über mehrere Staffeln hinweg immer besser wird. Noch seltener ist es, dass sie ausgerechnet zum Schluss ihre stärkste Staffel abliefert. Genau das gelingt "The Bear". Nach einer vierten Staffel, die für meinen Geschmack etwas zu viele Umwege gegangen ist, besinnt sich die finale Staffel wieder auf das, was die Serie von Anfang an ausgezeichnet hat. Sie wirkt konzentrierter, fokussierter und emotional stärker als zuletzt – für mich ist sie deshalb die beste Staffel der gesamten Serie.

Im Mittelpunkt stehen erneut Carmy (Jeremy Allen White), Sydney (Ayo Edebiri) und Richie (Ebon Moss-Bachrach), die das Restaurant durch seine wohl wichtigste Phase führen müssen. Doch diesmal fühlt sich alles unmittelbarer an. Die Handlung konzentriert sich nahezu (7. Folgen) vollständig auf einen einzigen, entscheidenden Tag, an dem sich das Schicksal des Restaurants entscheiden könnte. Diese zeitliche Begrenzung sorgt für eine enorme Spannung. Jede Bestellung, jede Entscheidung und jeder Fehler bekommt ein zusätzliches Gewicht, wodurch die Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich intensiv wirkt.


 

Besonders gefallen hat mir, dass die Serie diesmal auf unnötige Abschweifungen verzichtet. Während die vorherige Staffel ihren Blick immer wieder auf Nebenfiguren und Nebengeschichten richtete, liegt der Fokus jetzt wieder dort, wo "The Bear" am stärksten ist: auf den Menschen in der Küche und ihrer Dynamik unter extremem Druck. Dadurch wirkt die Geschichte deutlich straffer und verliert nie ihren Rhythmus.

Auch Carmys Entwicklung bildet den emotionalen Mittelpunkt der Staffel. Zum ersten Mal hat man das Gefühl, dass er sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen muss, ob er überhaupt noch der Richtige ist, um das Restaurant zu führen. Sein innerer Konflikt zieht sich durch die gesamte Handlung und verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die mich sehr berührt hat.

Gleichzeitig bekommt Sydney mehr Raum denn je. Sie tritt endgültig aus Carmys Schatten heraus und muss beweisen, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Gerade ihre Entwicklung gehört für mich zu den größten Stärken der Staffel. Ayo Edebiri spielt diese Mischung aus Ehrgeiz, Selbstzweifeln und wachsendem Selbstvertrauen mit beeindruckender Natürlichkeit und macht Sydney endgültig zu einer der wichtigsten Figuren der Serie.


 

"The Bear" verabschiedet sich mit einer Staffel, die emotional, spannend und hervorragend gespielt ist. Sie beweist, dass manchmal weniger tatsächlich mehr ist. Für mich ist Staffel 5 nicht nur ein gelungener Abschluss, sondern die stärkste Staffel der gesamten Serie – und ein würdiges Ende einer der besten Serien der vergangenen Jahre.

"Alice and Steve" – Herrlich schräg und überraschend berührend

Manchmal reicht eine einzige Entscheidung aus, um eine jahrzehntelange Freundschaft ins Wanken zu bringen. Genau davon erzählt Alice and Steve. Alice und Steve sind seit über 25 Jahren eng befreundet. Ihre Beziehung war immer rein platonisch (fast) – bis Steve sich völlig unerwartet in Alices erwachsene Tochter Izzy verliebt. Was für ihn der Beginn einer neuen Liebe ist, fühlt sich für Alice wie ein doppelter Verrat an. Aus einer tiefen Freundschaft entwickelt sich plötzlich ein emotionales Minenfeld.

Schon diese Ausgangssituation macht die Serie zu etwas Besonderem. Statt die Geschichte als klassische Liebeskomödie zu erzählen, interessiert sie sich vor allem für die Folgen dieser Beziehung. Wie viel hält eine Freundschaft aus? Kann man sich für jemanden freuen, wenn man sich gleichzeitig hintergangen fühlt? Und darf die Liebe überhaupt Regeln kennen?

Für mich lebt die Serie vor allem von ihren Figuren. Alice ist keine einfache Heldin, Steve kein typischer Romantiker und Izzy weit mehr als nur der Auslöser des Konflikts. Jeder handelt nachvollziehbar, trifft aber gleichzeitig Entscheidungen, die man immer wieder hinterfragt. Gerade diese Grauzonen machen den Reiz der Geschichte aus.


 

Besonders gefallen hat mir der Humor. Alice and Steve ist herrlich schräg und besitzt einen wunderbar trockenen britischen Witz. Viele Szenen sind herrlich unangenehm, manchmal fast schon absurd, ohne dabei ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.Genau diese Mischung aus schwarzem Humor und emotionalem Drama macht den besonderen Ton der Serie aus.

Großen Anteil daran haben Nicola Walker und Jemaine Clement. Walker spielt Alice mit einer Mischung aus Verletzlichkeit, Wut und bissigem Humor, während Clement Steve eine sympathische Unsicherheit verleiht, die verhindert, dass man ihn vorschnell verurteilt. Auch Yali Topol Margalith überzeugt als Izzy, die sich nicht auf die Rolle der jungen Geliebten reduzieren lässt, sondern ihre eigenen Wünsche und Konflikte mitbringt. Joel Fry sorgt als Alices Mann Daniel hält das emotionale Chaos ein Stück weit zusammen.

Auf den ersten Blick bedient die Serie ein bekanntes Klischee: der ältere Mann, der sich in eine deutlich jüngere Frau verliebt. Doch Alice and Steve macht es sich erfreulicherweise nicht so einfach. Die Beziehung dient nicht als Selbstzweck oder bloßer Aufreger, sondern als Ausgangspunkt, um die Dynamik zwischen den Figuren zu untersuchen.