Wer bei dem Titel „Crime 101“ eine harmlose Gaunerkomödie erwartet, wird bereits in den ersten Minuten eines Besseren belehrt. Regisseur Bart Layton verwandelt die Straßen von Los Angeles in eine Bühne für ein tiefgreifendes Unterwelt-Melodram, das weit über die üblichen Heist-Klischees hinausgeht. Im Zentrum steht der 101 Freeway – jene namensgebende Verkehrsader, die nicht nur die Stadt durchzieht, sondern auch den professionellen Dieb Mike Davis zu seinen Zielen führt.
Chris Hemsworth verkörpert diesen Davis mit einer beeindruckenden Nuanciertheit. Fernab seiner gewohnten Superhelden-Pfade spielt er einen traumatisierten Profi, der zwar nach außen hin Souveränität ausstrahlt, dessen innere Zerrissenheit und soziale Ängste jedoch in jedem ausweichenden Blick spürbar sind. Davis ist ein Mann mit einem Kodex, der versucht, sich aus der Armut seiner Kindheit freizukaufen, dabei jedoch in ein Netz aus Gewalt und Loyalität verstrickt bleibt. Sein Gegenspieler ist der von Mark Ruffalo brillant gespielte Detective Lou Lubesnick. Ruffalo legt seine Rolle fast schon wie eine Hommage an klassische Ermittlerfiguren wie Columbo an: schlunzig im Auftreten, unterschätzt von seinen Kollegen, aber mit einem messerscharfen Verstand und einer fast schon obsessiven Geduld ausgestattet.
Die Dynamik wird durch Halle Berry vervollständigt, die als Versicherungsmanagerin Sharon Colvin eine ganz eigene Perspektive einbringt. In einer von Männern dominierten und oft korrupten Branche muss sie sich nicht nur gegen arrogante Vorgesetzte behaupten, sondern auch die Fäden eines komplexen Juwelenraubs entwirren. Berry verleiht ihrer Figur eine greifbare Entschlossenheit, die in einem der stärksten Momente des Films gipfelt, wenn sie die verkrusteten Strukturen ihrer Firma frontal angreift.
In den Nebenrollen glänzt ein Ensemble, das jedem Charakter – egal wie kurz der Auftritt – Leben einhaucht. Barry Keoghan liefert als impulsiver und gefährlicher Jung-Krimineller Ormon den nötigen Zündstoff für den Konflikt innerhalb der Unterwelt, während Veteran Nick Nolte als finsterer Mentor „Money“ im Hintergrund die Fäden zieht. Selbst die leiseren Töne treffen ins Schwarze, etwa durch Monica Barbaro, die als ahnungslose Partnerin von Davis für die emotionale Erdung sorgt, oder Jennifer Jason Leigh in einer kurzen, aber prägnanten Rolle als Lubesnicks Ex-Frau.
Visuell ist der Film ein Fest für Cineasten. Layton orientiert sich an der unterkühlten, stylischen Ästhetik eines Michael Mann, webt aber gleichzeitig ein starkes soziales Bewusstsein ein. „Crime 101“ kontrastiert den dekadenten Reichtum der High Society mit den Obdachlosenlagern von L.A. und stellt so die Frage nach dem Preis des „amerikanischen Traums“. Durch die meisterhafte Kameraarbeit und eine dichte Atmosphäre entsteht ein Werk, das nicht nur durch seine zwei spektakulären Verfolgungsjagden überzeugt, sondern vor allem durch seine Menschlichkeit. Am Ende ist dieser Film weniger eine Anleitung zum Verbrechen als vielmehr eine tiefschürfende Studie über Schicksal, Klassenkampf und die Suche nach Erlösung auf dem harten Asphalt Kaliforniens.
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