Montag, 12. Mai 2025

"Your Friends & Neighbors" – Jon Hamm brilliert als Gentleman-Gauner

 

Mit "Your Friends & Neighbors" präsentiert Apple TV+ eine ebenso bissige wie unterhaltsame Dramedy, die reichlich Gesprächsstoff liefert. Im Mittelpunkt der Serie steht Coop (Jon Hamm), ein gefallener Hedgefonds-Manager, der nach dem Verlust seines Jobs und seiner Ehe seinen dekadenten Lebensstil aufrechtzuerhalten versucht – indem er beginnt, seine reichen Nachbarn systematisch zu bestehlen. Was auf dem Papier wie ein klassischer Heist-Plot klingt, entpuppt sich als pointierte Gesellschaftssatire über Status, Moral und den brüchigen Glanz der Wohlstandselite.

Jon Hamm liefert hier seine vielleicht stärkste Performance seit "Mad Men". Als charismatischer, aber zutiefst widersprüchlicher Coop schwankt er zwischen Selbstmitleid, Überheblichkeit und echter Verzweiflung. Hamm gelingt es, diesen moralisch fragwürdigen Charakter so nuanciert darzustellen, dass man als Zuschauer nie ganz sicher ist, ob man ihn verachten oder bewundern soll.


 

Die Serie lebt von ihren scharf geschriebenen Dialogen, einem doppelbödigen Humor und einem Ensemble, das bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt ist. Olivia Munn überzeugt als Coops Geliebte Sam mit einer kühlen Eleganz, während Lena Hall als dessen Schwester Ali emotionale Tiefe beisteuert. Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen der polierten Oberfläche des Vorstadtlebens und den dunklen, oft absurden Geheimnissen, die sich dahinter verbergen.

Nicht jede Episode ist gleich stark – einige Handlungsstränge verheddern sich in Nebenkriegsschauplätzen. Doch insgesamt gelingt der Serie eine überzeugende Balance zwischen Drama und Komik, Kritik und Unterhaltung.

Montag, 21. April 2025

"The Order": Jude Law jagt Neo-Nazis in Amerika

 

Hammerstoff: Mit "The Order" liefert Regisseur Justin Kurzel einen beklemmenden Thriller, der sich mit einem düsteren Kapitel der US-Geschichte beschäftigt. Basierend auf realen Ereignissen erzählt der Film vom Aufstieg einer rechtsextremen Terrorzelle in den 1980er Jahren – eine Thematik, die auch heute noch erschreckend aktuell ist.

 




Im Zentrum steht FBI-Agent Terry Husk, gespielt von Jude Law, der in der Abgeschiedenheit Idahos eine Reihe brutaler Verbrechen untersucht. Schnell wird klar: Hinter den Taten steckt keine gewöhnliche Bande, sondern eine radikalisierte Gruppe unter der Führung des fanatischen Robert Jay Mathews (Nicholas Hoult), die sich „The Order“ nennt. Ihr Ziel: den gewaltsamen Umsturz der US-Regierung.

Jude Law verkörpert den innerlich zerrissenen Ermittler. Zwischen Pflichtgefühl, Wut und Resignation verleiht er seiner Figur Tiefe. Nicholas Hoult überrascht mit einer unheimlich kühlen Darstellung des charismatischen Anführers – fernab seiner sonst eher charmanten Rollen.

Inszenatorisch überzeugt der Film durch seine düstere Bildsprache, kalte Farben und die trostlose Landschaft – perfekt eingefangen von Kameramann Larkin Seiple.Trotz der dichten Atmosphäre bleibt die Inszenierung stellenweise konventionell. Die Erzählung folgt bekannten Mustern des Cop-vs.-Extremisten-Thrillers – mit FBI, Undercover-Ermittlungen und eskalierenden Gewaltakten.  

Inszeniert als Katz-und-Maus-Spiel auf den Spuren von Michael Manns ‚Heat‘, auch was die intensiven Schießszenen betrifft, ist "The Order" dennoch ein spannender und bedrückender Film der alten Schule, der wichtige Fragen über Radikalisierung, Gewalt und staatliche Ohnmacht aufwirft. 

"The Order" läuft auf Amazon Prime Video

Dienstag, 15. April 2025

„Joker: Folie à Deux" - So schön kann Wahnsinn sein

 

Keine Frage: "Joker" war krass. Mit „Folie à Deux“ hat Regisseur Todd Phillips etwas gemacht, das man Hollywood kaum noch zutraut: Er geht volles Risiko. Statt auf Nummer sicher zu gehen und die düstere Formel des ersten „Joker“-Films zu wiederholen, liefert er eine radikal andere, mutigere Vision. Das Ergebnis ist ein hypnotisierendes, musikalisches Psychodrama. Sicher, nicht etwas für jeden Geschmack. Das ist kein Mainstream-Kino – und will es auch gar nicht sein. Stattdessen ist es ein intensiver, verstörender und zutiefst künstlerischer Film.

 


Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) lebt nach den Ereignissen des ersten Films in der geschlossenen Psychiatrie Arkham Asylum – verwahrlost, zerbrochen, aber nicht gebrochen. Dort begegnet er Dr. Harleen Quinzel (Lady Gaga), die als Psychiaterin mit ihm arbeitet. Doch was als Behandlung beginnt, wird zur zerstörerischen Romanze zweier verlorener Seelen. Gemeinsam rutschen sie in eine „Folie à Deux“, eine psychische Symbiose, in der Wahnsinn, Liebe und künstlerischer Ausdruck miteinander verschmelzen.

Was diesen Film so besonders macht: Er erzählt keine lineare Geschichte, sondern spiegelt den Geisteszustand seiner Figuren in Musik, Tanz und surrealer Ästhetik. Realität und Fantasie verschwimmen in einem einzigartigen filmischen Tanz – düster, bizarr und wunderschön. 

„Folie à Deux“ läuft auf Sky Cinema Premiere und auf Abruf



Samstag, 12. April 2025

"The Studio" nimmt Hollywood aufs Korn

 

Mit "The Studio" ist Apple TV+ ein satirisches Highlight gelungen, das nicht nur für Fans von Seth Rogen ein Volltreffer sein dürfte. Die Serie, die von Rogen gemeinsam mit Evan Goldberg entwickelt wurde, nimmt die Hollywood-Maschinerie herrlich bissig aufs Korn und kombiniert klugen Humor mit pointierten Beobachtungen über die Eitelkeiten und Absurditäten der Filmindustrie.

Im Zentrum steht Rogen selbst als Matt Remick, der frisch ernannte Chef eines traditionsreichen, aber zunehmend dysfunktionalen Filmstudios. In dieser Rolle zeigt er sich gewohnt charmant und selbstironisch – ein Stil, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Serie zieht. Die Mischung aus satirischer Überzeichnung und verblüffend realitätsnahen Spitzen macht The Studio zu einer Serie, die irgendwo zwischen "Veep", "The Office" und "Entourage" balanciert, ohne in die reine Parodie abzudriften.


 

Besonders hervorzuheben ist die hochkarätige Besetzung. Catherine O'Hara und Kathryn Hahn liefern eine Glanzleistung ab, ebenso Bryan Cranston, der sich in bester „selbstironischer Promi“-Manier ins Geschehen einfügt. Die prominenten Gastauftritte – darunter Anthony Mackie, Paul Dano und sogar Martin Scorsese – sind nicht nur amüsante Überraschungen, sondern clever eingesetzt und sorgen für einige der besten Momente der Staffel.

In einer der besten Folgen, es ist die zweite, besucht Matt das Filmset der Oscar-Preisträgerin Sarah Polley, die gerade versucht, eine finale Szene in einer einzigen Kameraeinstellung mit ihrer Hauptdarstellerin Greta Lee zu drehen. Was folgt, ist Matts unbeholfenes Herumstolpern, bei dem er jede Aufnahme stört  - bis nichts mehr zu retten ist, weil es mit dem Tageslicht nicht mehr hinhaut.

Der Humor ist mal subtil, mal derb, trifft aber meistens ins Schwarze. Die Serie spielt virtuos mit Metaebenen und Klischees, schafft es aber auch, echte Themen wie Machtmissbrauch, Diversity-Diskussionen oder die Absurdität des modernen Star-Kults anzuschneiden – ohne belehrend zu wirken. 


 

Montag, 31. März 2025

"Holland": Wenn die Fassade bröckelt

 

Tulpen, Windmühlen und Klompen? Warum nicht? "Holland" spielt im Jahr 2000 in der Stadt Holland, Michigan, die für ihren starken niederländischen Einfluss bekannt ist. Die Protagonistin ist Nancy Vandergroot (Nicole Kidman), eine Lehrerin, die mit dem Optiker Fred Vandergroot (Matthew Macfadyen) verheiratet ist. Sie haben einen Sohn namens Harry.

Die Geschichte beginnt damit, dass Nancy ein Kindermädchen namens Candy verhört, da sie vermutet, dass diese einen Ohrring gestohlen hat. Dieser Vorfall wirft einen Schatten auf Nancys ohnehin schon vorhandenes Misstrauen. Als Fred dann zu einer weiteren Geschäftsreise aufbricht, wird Nancy stutzig. Sie findet ein zerknittertes Flugticket aus Madison, Wisconsin, obwohl Fred angeblich in einer anderen Stadt in Michigan sein sollte.


 

Überzeugt, dass Fred eine Affäre hat, beschließt Nancy, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei sucht sie die Hilfe ihres Kollegen Dave Delgado einem attraktiven neuen Lehrer an ihrer Schule. Zwischen Nancy und Dave entwickelt sich eine Anziehung, und während sie gemeinsam Freds Aktivitäten untersuchen, kommen sie sich näher. Der Film spielt mit der ironischen Situation, dass die beiden, die Untreue aufdecken wollen, selbst in Versuchung geraten.

Im Laufe ihrer Nachforschungen entdeckt Nancy immer mehr Ungereimtheiten und Geheimnisse um ihren Mann. Fred scheint ein Doppelleben zu führen, und die scheinbar perfekte Fassade ihrer Ehe und ihres Familienlebens beginnt zu bröckeln. Fred verbringt viel Zeit mit seiner Modelleisenbahn im Keller, die eine Miniaturversion von Holland darstellt – ein weiteres Symbol für die Künstlichkeit und die verborgenen Seiten der Stadt und ihrer Bewohner.

Der Film deutet an, dass hinter der malerischen Oberfläche von Holland, mit seinen Windmühlen und Tulpenfesten, dunklere Geheimnisse verborgen liegen. Nancy, die selbst mit ihrer Rolle als perfekte Ehefrau und Mutter ringt und sich nach etwas mehr Aufregung sehnt, wird immer tiefer in ein Netz aus Lügen und Täuschungen hineingezogen.

Die Coen-Brüder hätten es wahrscheinlich besser gemacht. Regisseurin Mimi Cave erreicht mit "Holland" zwar gegen Ende einige verstörende Momente, erklärt aber nie, warum die Figuren so handeln wie sie handeln.

"Holland" läuft auf Prime

Montag, 24. März 2025

"Severance" - Work-Life-Balance ad absurdum

 


"Severance", eine Mischung aus "Nummer 6", "Akte X", "Twin Peaks" und "Lost", wirft einen verstörenden Blick auf die Work-Life-Balance und die möglichen Folgen einer Technologie, die Arbeit und Privatleben vollständig trennt. Die Serie spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Firma Lumon Industries ein Verfahren namens "Severance" anbietet. Dabei wird das Gehirn der Mitarbeiter so verändert, dass sie sich während der Arbeit nicht an ihr Privatleben erinnern können und umgekehrt. Die "Innies" (die Arbeits-Persönlichkeiten) und die "Outies" (die Privat-Persönlichkeiten) leben getrennte Leben und sind sich ihrer Existenz im jeweils anderen Bereich nicht bewusst.

Hochkarätiger Cast

Die Handlung folgt Mark Scout (Adam Scott), einem Mitarbeiter von Lumon, dessen "Innie" beginnt, die Realität seiner Existenz in Frage zu stellen. Zusammen mit seinen Kollegen Irving (John Turturro), Dylan (Zach Cherry) und Helly (Britt Lower) deckt er nach und nach die dunklen Geheimnisse von Lumon auf. Zum hochkarätigen Cast gehören neben Scott auch Patricia Arquette, John Turturro, Christopher Walken, und Tramell Tillman. Regie führen neben Ben Stiller unter anderem Uta Briesewitz und Jessica Lee Gagné.

Noch verrückter

Zu welchem Zweck sie das überhaupt tun, wissen sie gar nicht. Wer danach fragt oder die Firma infrage stellt, wird hart bestraft. Ja, auch ein wenig Kafka ist in der Serie zu finden. Die Dinge werden in der zweiten Staffel noch verrückter, besonders in der vierten Episode, in der die Vier auf einen Betriebsausflug geschickt werden. Oder was hat es mit der Abteilung auf sich, die sich um die Aufzucht von Ziegen kümmert?

Viele Fragen bleiben offen

Einige Rätsel werden gelöst, aber viele Fragen bleiben unbeantwortet. Auf Apple TV+ lief am Freitag. 22. März, die letzte Folge der zweiten Staffel, die mit einem Cliffhanger endet, über den man streiten kann. Marks "Innie" bleibt in den Räumen von Lumon wegen seiner Liebe zu Helly. Ein erzählerischer Kniff, um eine dritte Staffel zu rechtfertigen. Die wurde auch schon angekündigt - Mark darf seinen Arbeitsplatz vorerst behalten.

m Ende des Severance Staffel 2-Finales entscheidet sich Marks Arbeitsplatzpersönlichkeit für sein Love Interest Helly R. und flieht mit ihr zurück in die Flure und Räume von Lumon. Zusammen das Gebäude verlassen funktioniert nicht, vor allem wegen Helly.
Marks Arbeitsplatzpersönlichkeit für sein Love Interest Helly R. und flieht mit ihr zurück in die Flure und Räume von Lumo


 

Sonntag, 16. März 2025

"Delicious“ - Hinter der Idylle lauert der Horror

"Delicious" (2025) ist ein packender, psychologischer Thriller, der mit einer subtilen Spannung und tiefgründigen Charakterstudien überzeugt. Die Geschichte dreht sich um eine deutsche Familie, die ihre Sommerferien in einer eleganten Villa an der französischen Riviera verbringt. Als ein Unfall passiert, nehmen die Familienmitglieder eine junge Frau namens Theodora  auf, die auf der Durchreise ist. Doch was als Akt der Hilfsbereitschaft beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Spiel von Manipulation und Misstrauen.

Die atemberaubende Kulisse Südfrankreichs und die luxuriöse Villa kontrastieren perfekt mit der wachsenden, fast greifbaren Spannung zwischen den Figuren. Die idyllische Umgebung wird schnell von der dunklen, bedrohlichen Stimmung überschattet, die sich mit jedem weiteren Ereignis aufbaut.

Die Familie, die zunächst als harmonisch und einladend erscheint, wird nach und nach durch den Einfluss der jungen Frau in Frage gestellt. Ihre scheinbar naive und hilfsbedürftige Art entpuppt sich als strategisches Spiel, das die Familienmitglieder dazu zwingt, sich mit ihren eigenen Geheimnissen und verborgenen Wünschen auseinanderzusetzen. 


 

Die Erzählweise lässt den Zuschauer immer wieder zwischen Misstrauen und Sympathie für die Figuren schwanken. Was zu Beginn wie ein klassischer Thriller aussieht, entwickelt sich bald zu einer tiefgründigen Untersuchung von Moral, Vertrauen und den Konsequenzen von scheinbar gut gemeinten Handlungen. Die Dynamik innerhalb der Familie und ihre Reaktionen auf die zunehmende Bedrohung sind realistisch und emotional intensiv.

Das vermutlich bekannteste Gesicht des Films ist Fahri Yardım. Bekannt wurde er durch das Comedy-Format"Jerks" an der Seite von Christian Ulmen, doch er spielte beispielsweise auch schon in dem einen oder anderen "Tatort" mit.In weiteren Rollen sind Valerie Pachner ("The King's Man: The Beginning"), Carla Díaz ("Élite"), Caspar Hoffmann ("Notruf Hafenkante") und Julien de Saint Jean ("Le Paradis") zu sehen. 

Für das Drehbuch und die Regie zeichnet die Schauspielerin Nele Mueller-Stöfen verantwortlich, die mit einem großartigen Debüt überrascht. Das Ende der Serie ist besonders verstörend und lässt den Zuschauer mit einem Gefühl des Unbehagens zurück. Insgesamt kombiniert „Delicious“ psychologische Spannung, explizite Gewalt und sozialkritische Elemente, um einen wirkungsvollen Horror zu erzeugen.

"Delicious" läuft auf Netflix