Es gibt Klassiker, die man besser unangetastet lässt. „Cape Fear“ gehört dazu. Nach der Verfilmung von 1962 und Martin Scorseses furiosem Remake von 1991 versucht sich Apple TV+ nun an einer zehnteiligen Neuinterpretation. Trotz großer Namen vor und hinter der Kamera bleibt die Serie jedoch weit hinter ihren Vorbildern zurück.
Dabei klingt die Besetzung vielversprechend: Javier Bardem übernimmt die Rolle des psychopathischen Max Cady, Amy Adams spielt die Anwältin Anna Bowden, Patrick Wilson ihren Ehemann Tom. Produziert wird die Serie ausgerechnet von Martin Scorsese und Steven Spielberg – zwei Filmemachern, die den Stoff bestens kennen.
Doch schon nach wenigen Folgen zeigt sich das Grundproblem: Die Serie verwechselt psychologische Tiefe mit permanenter Überzeichnung. Wo Robert Mitchum und später Robert De Niro ihre Bedrohlichkeit durch Präsenz und Zurückhaltung entwickelten, wirkt Javier Bardems Max Cady über weite Strecken wie eine Karikatur seiner Vorgänger. Er darf laut sein, exzentrisch auftreten und ständig dominieren – wirklich unheimlich wird er dabei jedoch nie.
Auch Amy Adams und Patrick Wilson können ihre Figuren kaum retten. Beide gehören zu den besten Schauspielern ihrer Generation, doch das Drehbuch lässt ihnen wenig Raum. Anna und Tom Bowden wirken erstaunlich eindimensional, ihre Ehe bleibt emotional distanziert. Überhaupt fällt es schwer, mit irgendeiner Figur mitzufühlen. Fast jeder Charakter handelt egoistisch, unsympathisch oder schlicht irrational. Dadurch verliert die Geschichte ihren emotionalen Kern.
Hinzu kommt der Drang, den Stoff um jeden Preis zu modernisieren. Neue Handlungsstränge, gesellschaftliche Kommentare und überraschende Wendungen sollen den Klassiker zeitgemäß erscheinen lassen. Doch viele dieser Ideen wirken aufgesetzt und lenken vom eigentlichen Katz-und-Maus-Spiel ab. Die Serie verliert sich in Nebenhandlungen, statt die beklemmende Spannung aufzubauen, die beide Kinofilme ausgezeichnet hat.
Handwerklich gibt es wenig zu kritisieren. Die Kameraarbeit ist hochwertig, die Ausstattung edel und die Bildsprache atmosphärisch. Apple liefert einmal mehr eine Produktion auf höchstem technischen Niveau. Doch schöne Bilder ersetzen keine packende Geschichte.
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