Montag, 3. März 2025

"Anora" - "Pretty Woman" 2.0

 

"Pretty Woman" 2.0. Cinderalla in High Heels. Aber ohne Happy End. Das ist "Anora", eín Streifen, der aus dem aktuellen Kino-Müll heraussticht wie ein Diamant unter Katzengold.

"Anora", unter der Regie von Sean Baker, der zuvor mit Filmen wie "The Florida Project" und "Red Rocket" für Aufsehen sorgte, entfaltet sich als eine brillante Mischung aus Drama, Komödie und Gesellschaftskritik. Er entführt uns in die Welt der Stripperin und Sexarbeiterin Ani, die in einem New Yorker Nachtclub arbeitet und durch ihre Begegnung mit dem russischen Oligarchensohn Ivan in eine völlig neue Welt katapultiert wird.

Was zunächst als rein geschäftliche Beziehung zwischen den beiden beginnt, sie soll ihm eine Woche für 15.000 Dollar zur Verfügung stehen, so drastisch muss man das ausdrücken, entwickelt sich bald zu einer turbulenten Romanze, die nicht nur ihre Welt, sondern auch Ivans von Traditionen und Reichtum durchzogene Familie auf den Kopf stellt.


 

Die Geschichte könnte auf den ersten Blick an ein klassisches Märchen erinnern – ein einfaches Mädchen, das mit einem Prinzen aus einer ganz anderen Welt zusammenkommt. 

Anti-Cinderella“-Erzählung 

Doch Baker gelingt es meisterhaft, das Märchen in eine „Anti-Cinderella“-Erzählung zu transformieren, sie gegen den Strich zu erzählen und durch den Fleischwolf zu drehen. 

Der Film spielt mit den traditionellen Erzählmustern, indem er sie subversiv kommentiert und ein realistisches, kritisches Licht auf die gesellschaftlichen Strukturen wirft, die Menschen in ihren sozialen Positionen gefangen halten. In einer Welt, in der Macht und Geld bestimmen, wer oben und wer unten steht, ist Ani die, die sich ihren Platz auf ihre ganz eigene Weise erkämpft. Zunächst.

Mikey Madison, die Ani spielt, liefert eine schauspielerische Leistung, die sowohl mitreißend als auch tiefgründig ist. Sie schafft es, Ani als eine starke, aber zugleich verletzliche Figur darzustellen, die nicht nur mit ihrer eigenen Identität ringt, sondern auch mit den moralischen und emotionalen Dilemmata, die mit ihrer Arbeit verbunden sind. 

 


Ihre Darstellung ist roh, ehrlich und nie klischeehaft. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie sie zwischen Momenten der Selbstbestimmung und der Zerrissenheit hin und her pendeln, Hunderte von  "Fucks" auf den Lippen. 

Neben Madison sind auch die Nebendarsteller hervorragend in ihren Rollen, insbesondere Mark Eydelshteyn, der Ivan verkörpert, ein verwöhnter, reicher Bengel.

Sex, Alkohol, Drogen und PlayStation

Ihre Chemie auf der Leinwand lässt die Beziehung zwischen den beiden Charakteren authentisch wirken, was die emotionale Reise des Films umso mehr verstärkt. Ivan ist kein "Prinz", sondern ein junger oberflächlicher Mann, der von den Erwartungen seiner Familie und der Gesellschaft eingeengt wird und dem mit einem hedonistischen Lebensstil begegnet. Sex, Alkohol, Drogen und PlayStation-Zocken. Dies gibt der Geschichte eine zusätzliche Dimension und stellt die Frage, inwiefern wahre Freiheit in einer Welt, die auf Status und Geld fokussiert ist, überhaupt möglich ist. 

Baker gelingt es, die satirischen Elemente des Films zu einer scharfsinnigen Kritik an den Mechanismen der Macht und des Wohlstands zu verweben, ohne den emotionalen Kern der Geschichte aus den Augen zu verlieren. Dies macht "Anora" nicht nur zu einem unterhaltsamen, sondern auch zu einem tiefgründigen Film. 

Bei den Filmfestspielen von Cannes erhielt "Anora" die goldene Palme. Bei den Oscar-Verleihungen in Hollywood hat die Tragikomödie „Anora“ den Preis für den besten Film gewonnen. Insgesamt erhielt das Werk fünf Oscars. Zu Recht.

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